Archiv für Dezember, 2004

Ferenc Maté: Die Hügel der Toskana

Noch ein weiteres dieser “wir restaurieren ein Haus im Gelobten Land Bücher”, denen mehr oder weniger unterstellt werden muß, zu idealisieren und die zweifelhafte These zu verbreiten, man könne ein Land nur wirklich lieben, indem man davon Besitz nimmt ? 

Dieses sich einkaufen mag für den Einzelnen sein ganz persönliches Paradies sein, für die Region Toskana bedeutet es zunehmend den Verlust der eigenen Identität. Abgesehen davon ist dem ungarisch-kanadischen Ex-Yuppie ein Buch gelungen, das großes Vergnügen bereitet. 

Zwar mag man auch bei seiner Story die finanziellen Schwierigkeiten beim Umbau des Hauses nicht so recht glauben – aus nie versiegenden Quellen in Übersee fließen, wann immer es eng wird, die nötigen Dollars nach, und auch die meisten anderen Probleme werden allzu locker bei einem Gläschen Vin Santo aus dem Weg geräumt. 

Doch die Annäherung des Autors an das toskanische Neuland, insbesondere an die dortige Küche als Dreh- und Angelpunkt, ist so wirklichkeitsnah dargestellt, daß sie jeder Toskanafahrer schmunzelnd nachvollziehen kann. Man sieht sich oft genug selbst im Spiegel, z.B. wenn Maté bei Ausflügen seine Route “zufällig” nach dem Michelin-Restaurantführer plant. Eine kräftige Prise Übertreibung verleiht den gut beobachteten Eindrücken stets die heitere Note, die so gut in die toskanische Landschaft rund um Montepulciano passt. Hier zwei kleine Leseproben, welche die Bekanntschaft des Autors mit zwei festen Größen im toskanischen Alltag beschreiben, dem Pranzo und dem Espresso.

  • “Alle Türen und Fenster waren weit geöffnet und es roch nach gebratenem Fleisch und Rosmarin: Die Toskana bereitet sich auf das pranzo vor, das Mittagessen mit mindestens vier Gängen. Vom Umfang kann man das Pranzo mit einem Weihnachtsmenü vergleichen, nur daß es das pranzo jeden Tag gibt. Es beginnt normalerweise um ein Uhr und endet, wenn der letzte Esser ohnmächtig zu Boden sinkt “.
  • ” … in Italien dagegen ist Kaffeetrinken kein sozialer Akt, sondern das Einnehmen einer Droge. Die gesamte Zeremonie ist streng ritualisiert: der Barmann setzt die halbvolle Espressotasse auf die am Tresen bereit gestellte Untertasse, man löffelt ein Viertelpfund Zucker hinein und schüttet das kochend heiße Getränk in einem Zug hinunter. Sekunden später rast einem das Koffein durch die Adern, und man fühlt sich stark genug, die Welt aus den Angeln zu heben “.

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W.H. Kretzschmar: Leben in der Toscana

- Erfahrungen aus dem Alltag für Realisten und Träumer

Obwohl dieses Buch gerade mal 6 Jahre auf dem Markt ist, kannte ich es bisher nicht, denn es wird nur noch in wenigen Läden neu angeboten. Gott sei Dank habe ich bei EBay gut gesteigert um den Zuschlag zu erhalten und es hat sich gelohnt. Ein schöner, außergewöhnlicher Band ist mir da ins Haus geflattert. Der Autor lebt mit Familie und Haustieren seit 1980 in der Toskana und bietet mit diesem Buch quasi einen Leitfaden für Neutoskaner. Kretzschmar verfaßt seine Texte in einem Stil, der die große Liebe zu seiner Wahlheimat spüren läßt, dabei aber stets wohltuend bodenständig bleibt.

Angefangen von rechtlichen Grundlagen beim Haus- und Grunderwerb reichen seine Anregungen für Häusle(um)bauer bis hin zu so speziellen Themen wie “Dachstuhl und Eindeckung”. Es gibt ausführliche Kapitel über Landwirtschaft, Haus- und Stalltiere, Wein- und Olivenanbau und so weiter, wobei die Ausführungen nicht nur für echte Aussteiger interessant zu lesen sind. Dazu kommen eine Menge Abschnitte zum Alltagsleben in der Toscana, die man so ausführlich andernorts kaum finden wird. Hier einige Beispiele aus den Themen : Notfälle und Krankenversicherung, der italienische TÜV, Führerschein, Schulsystem, Jagdbestimmungen, Zusammenleben mit Toscanern, Bar- und Restaurantbesuche, Hochzeit, Taufe und andere Familienfeiern. Im Vorspann sind die einzelnen Themen übersichtlich aufgelistet, was den Band nebenbei zu einem praktischen Nachschlagewerk macht.

Damit wären wir schon beim zweiten dicken Pluspunkt neben dem umfangreichen Inhalt, nämlich der gelungenen Aufmachung dieses Ratgebers, denn er ist auch optisch ein Toskanabuch, wie man es sich wünscht. Mit seinem großen Format und der ansprechenden Covergestaltung ist es eine Zierde für jedes Bücherregal. Die 180 Seiten Text werden aufgelockert durch viele Bilder – darunter kein einziges Foto, sondern durchweg vom Autor gemalte farbige Illustrationen, was dem Layout einen sehr persönlichen Stil verleiht. Unterm Strich ein weiteres bemerkenswertes Buch aus dem Hause OASE, das inhaltlich voll überzeugt und nach aussen “bella figura” macht. Ein Sahnestückchen!

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Max Krell : Das Haus der roten Krebse

- Roman einer Familie in der Toskana
Antiquariat

Ich gebe “Haus” und “Toskana” in die Suchmaschine des Antiquariats ein.Heraus kommt “Das Haus der roten Krebse”. Der Rote Krebs, der “Gambero Rosso” läßt ja verschiedene Bezüge zur Toskana zu : Da ist die berühmte Herberge in der Pinocchio-Geschichte, die in Collodi auch heute noch als Touristenlokal weiterlebt, da ist der berühmte Gourmettempel an der etruskischen Riviera und da ist die jährlich erscheinende rote Bibel der Weinjünger. 

Doch der Untertitel passt zu nichts von alledem. Also lasse ich mich auf ein Blind-Date ein. Die Post liefert das gut erhaltene Exemplar eines erstmals in den 60er Jahren erschienen Romans. Es ist eine klassische Familien-Saga. Beginnend Mitte des 19. Jahrhunderts werden die Irrungen und Wirrungen in der Familie Gamberelli geschildert, aus deren Wappen mit dem Krebs sich der Titel des Buchs erklärt. 

Der stets über seine Verhältnisse lebende toskanische Adels-Clan steckt immer wieder in akuten Finanznöten und mit der gewinnversprechenden Einheirat in ein reiches Genueser Handelhaus beginnt die knapp über 300 Seiten lange Geschichte. Obwohl das Buch schon in die Jahre gekommen ist, wirkt die Lektüre kein bißchen angestaubt. Freunde dieses Genres werden den Roman mögen und die Wandlung der blutjungen Ester vom “zarten Schwälbchen” zur dominanten Herrscherin des Clans wird nicht nur, aber ganz besonders, die weibliche Leserschaft ansprechen. Mit Esters letztem Atemzug geht auch dem Buch ein wenig die Puste aus, insgesamt aber ein lesenswerter Roman, der im Antiquariat in großer Anzahl erhältlich ist.

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Frances Mayes

Wer an mehr oder weniger biografischen Erzählungen Gefallen findet, kann  zu den Werken einiger weiblicher Autoren greifen:

Die Geschichten spielen in der Nähe von Cortona. 

Der erste Band ist mit deutlich hausfraulichem Einschlag detailverliebt niedergeschrieben und nebst eingeflochtenen Rezepten alles in allem eine hübsche leichte Lektüre. Der Folgeband “Rückkehr ins Paradies” – gerade als Hardcover erschienen und als Taschenbuchausgabe bereits angekündigt – lohnt sicher auch den Kauf.

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Flüsse

Am schönsten ist es sich in den klaren Wässern der beiden Flüsse Torrente Farma oder Merse zu erfrischen. Die Badestellen sind teilweise schwer zugänglich, wer dort Urlaub macht, wird sie beim Wandern aber finden.

Im Chianti Classico laden Elsa und zum Erfrischen ein.

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