Archiv für Dezember, 2005

Arrividerci am Montag in der Toskana -Anzeige-

Die Einladung der Merum – Redaktion veröffentlichen wir hier gerne.

Liebe Leser, fahren Sie dieses Jahr in die Toskana?

Dann kommen Sie uns doch besuchen! Am Merum-Degutreff wird unter Olivenbäumen geplaudert, konferiert, verkostet, getrunken, Meinungen und Informationen über Olivenöl ausgetauscht, den Redakteuren fragen gestellt und Anregungen gegeben.

Wir werden für Sie ein Verkostungsset bereitstellen, mit dem Sie per Gaumen und Nase Ihre Italien-Kenntnisse testen können: Salice Salentino oder Valpolicella? Piemont oder Toskana? Nero d’ Avola oder Chianti? Montepulciano d’Abruzzo oder Nobile di Montepulciano? JLF oder Biberwein? Gut oder schlecht, trocken oder rund…Freuen Sie sich nicht zu früh, das klingt einfacher als es ist. Wenn Sie möchten können Sie auch gerne selber Flaschen zum gemeinsamen

Degustieren und Diskutieren mitbringen. Zur Stärkung werden Bauer Balduccio’s Wein, sein frischgebackenes Holzofenbrot, Olivenöl und andere leckere Spezialitäten zu degustieren und zu kaufen sein. Haben Sie Lust mit uns ein Stündchen zusammenzusitzen? Dann treffen wir uns am Montag! An welchem Montag? Jeden Montag. Aber nur am Montag. (Von Dienstag bis Sonntag machen wir für Sie Merum.)

Gerne heißen wir Sir willkommen von Ostermontag bis zum letzten warmen Novembermontag mitten in der Olivenernte, jeweils ab zwölf Uhr Mittags. Damit wir genügend Testsets vorbereiten können und Bauer Balduccio angemessene Brötchen-Quantitäten bäckt, kündigen Sie uns Ihr Kommen vielleicht besser per e-Mail an.

Zum Merum-Degutreff finden Sie so: Im Ort Lamporecchio (genau zwischen Lucca und Florenz), im Süden von Pistoia) die Straße nach Vinci nehmen und am Ortsausgang den schildern zur “Azienda acricola Balduccio” folgen.

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Slow Food : Unterwegs zu Wein und Kultur

  •  SÜDTOSKANA, Montalcino, Montepulciano – Hallwag, 14.90 Euro

Die Leute des Verlags im Zeichen der Schnecke sehen sich als Protagonisten des Behäbigen, was ihr Wappentier so glänzend verkörpert. Mit ihren Büchern zu den Themen Wein und Kulinaria versuchen sie, wie sie selbst sagen, der überall um sich greifenden Standardisierung entgegenzuwirken und kulinarische Traditionen wieder zu beleben. 

Beim Individualurlauber zwischen Brenner und Stiefelspitze, insbesondere den Barolosüfflern im Piemont und den Rosmarinschnüfflern in der Toskana rennen sie mit dieser Idee offene Türen ein – pardon, gerade rennen sollen wir ja nicht bei der -Entdeckung der Langsamkeit- und das ist keinesfalls ironisch gemeint – der Mut zur Behäbigkeit ist überhaupt erst der Schlüssel, Urlaubsregionen wie die Toskana mit all ihren landschaftlichen Schönheiten, Weinkellern und Küchendüften in sich aufzusaugen – und die behäbige Schnecke mit den neugierig aufgerichteten Fühlern ist das fast knuffige Symbol für diesen Gedanken ( zumindest solange, bis sie überzeugte Slowfoodisten mit Kräuterbutter und frischem Weißbrot ganz langsam auf der Zunge zergehen lassen ).Eine neue Reihe des Slow Food Verlags nennt sich “Unterwegs zu Wein und Kultur” und beschäftigt sich in oben genanntem Sinne mit verschiedenen Weinregionen Italiens. Dass aus der Toskana gerade der Süden ausgesucht wurde, bestätigt den vorgegebenen Weg abseits der einschlägigen Pfade.

Die Buchläden reihen diese Paperbacks meist in den Regalen mit den Weinbüchern ein, doch dort sind sie eigentlich fehl am Platze. Obwohl Wein natürlich Gegenstand des Inhalts ist – im vorliegenden Band sind dies naturgemäß der Brunello, der Vino Nobile und die ihnen untergeordneten Rossi beider Städte nehmen die Ausführungen dazu keinesfalls den meisten Platz ein. 

Insgesamt hat der Leser vielmehr einen kompletten Reiseführer durch ein relativ kleines Gebiet in der Hand. Das Buch ist somit eine gute Ergänzung zu den einschlägigen Werken, da auch kleinere Orte erwähnt werden, die in großen Führern gelegentlich unter den Tisch fallen. In drei Abschnitten werden größere Auto-Touren und Ausflüge zu Fuß vorgeschlagen, die kreuz und quer in die Hügellandschaft um die beiden im Titel genannten Weinstädte, in das zauberhafte Val d’Orcia, nach Pienza und rund um den Monte Amiata führen. 

Ein 30seitiger Anhang “Für Sie ausgewählt” enthält übersichtlich dargestellt Hotels, Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten mit Adressen, Rufnummern, Öffnungszeiten und löblicherweise auch Angaben zum Preisniveau der Lokale und Unterkünfte.

Im Hauptteil findet man neben den reinen Tourenbeschreibungen auch kleine Essays mit Hintergrundwissen zu den Weinen, Trüffeln, Travertin etc. Die gute Papierqualität und viele Farbbilder rechtfertigen den Verkaufspreis allemal.

Die Zutaten für dieses Buch sind somit vorbereitet, aber was daraus gemacht wurde, stellt den wahren Genießer leider nicht ganz zufrieden. Der Layouter hatte nicht den besten Tag, als er diesen Band zusammenstellte. Alles wirkt ein bißchen uneinheitlich und wenig harmonisch. Die verkehrsschilderartigen Symbole sind aufdringlich und passen so gar nicht in ein Genießerbuch und die Anordnung von Fotos, Texten und Hintergrundfarben erscheint unruhig und hektisch (das Auge liest mit läge einem an dieser Stelle auf der Zunge, aber das klingt nun wirklich zu paradox ). 

Mag das optische Erscheinungsbild noch Geschmackssache sein, wird es dort ärgerlich, wo der normale Reisetext durch dazwischen geschobene Tourenvorschläge jäh unterbrochen wird, wobei diese ihrerseits erneut durch andere Einschübe auseinandergerissen werden. Ein ums andere Mal sieht man sich deshalb gezwungen, durch hektisches Vor- und Zurückblättern festzustellen, wo es denn nun eigentlich weitergeht. 

Ein echter Lese-Gourmet hätte bei der abendlichen Lektüre gerne eine Hand für das Glas Rotwein frei, was ihm bei diesem Band über weite Passagen verwehrt bleibt. Slow Food sollte seinen Anspruch Traditionen neu zu beleben, ruhig ein wenig auf das Layout seiner neuen Bücher anwenden. 

Ich habe mir eine 10 Jahre alte Paperback-Ausgabe von Meuth-Duttenhofers erstem Toskanaband daneben gelegt und gebe diesem schlicht gehaltenen Klassiker 3 Schnecken, während es bei Hallwags Südtoskana-Band bei der einen bleibt, die ohnehin aufgedruckt ist.

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Wie der Hund und der Mensch Freunde wurden

Wie der Hund und der Mensch Freunde wurden. Italienische Kindergeschichten von  Italienische Kindegeschichten

Ein wirklich schönes Kinderbuch jenseits der Gebrüder Grimm. Bekannte Autoren wie Luigi Malerba oder Italo Calvino erwarten euch in einem kleinen roten Buch. Verlag Klaus Wagenbach, bekannt für seine gute Auswahl an italienischer Literatur.

Im Bücherregal unserer Kinder vorhanden.

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Matthias Sommer : Kein Urlaub in Italien

  • Rake Verlag, 2001, Taschenbuch, 8,90 Euro

Ich liebe diese dünnen Bücher, die man ohne abzusetzen in einem einzigen gierigen Zug auf Ex verschlingen kann. 120 Seiten, hingekritzelt wie ein Comicstrip, zum Brüllen komisch, schräg, kultig, cool. 

Die Fahrt der Zwinkmanns an den Lido-di-Sowieso, Retrospektive eigener Kind-und-Kegel-Horror-Trips. Italo-Comedy im Dunstkreis vom Menu Turistico und Coco Bello. Gerhard Polt meets Homer Simpson. 

Die locker aus dem Ärmel geschüttelte Prolo-Schreibe des Berliner Autors trifft mitten ins Zentrum und kommt dabei ohne gequälte Dumpfbacken-Gags à la Al Bundy aus. Zum Schenkelklopfen komisch ist “Der Strandtag” und auch in der x-ten Wiederholung tränentreibend die “Disco-Aufriss-Anleitung für Sie und Ihn”. 

Dass man nebenbei eine Menge über Verhaltensregeln in Italien und den Unterschied der Charaktere lernt, wird so mancher gar nicht bemerken. So erfährt man z.B. im Abschnitt “Die Rote Ampel” Grundlegendes zum Verhalten beider Nationalitäten im Straßenverkehr:

Der Autor schildert dabei eine Szene, in der nachts um 1.47 Uhr in einem menschenleeren römischen Vorstadtviertel ein blauer Mittelklassewagen in mäßigem Tempo auf eine völlig autofreie Kreuzung zurollt, sachte abbremst und dann anhält. Auf die Frage “Was ist passiert” bietet er 2 Lösungen an :

  • ein kleiner schmieriger Mafioso ist auf dem Weg vom Puff nach Hause von feindlichen Kugeln zersiebt worden. Er bricht tot über dem Lenkrad zusammen, sein Wagen rollt aus und kommt zufällig vor einer leeren Kreuzung zum Stillstand.
  • ein trotz fortgeschrittener Stunde pflichtbesessener deutscher Familienvater hat seinen Wagen vor einer leeren Kreuzung zum Stehen gebracht, weil die Ampel von Grün auf Rot umgesprungen ist.

Der Autor,1971 geboren und u.a. Student der italienischen Philologie, kam seiner eigenen Anmerkung nach zum Schreiben, als er im Alter von 8 Jahren seine gerade gegründete Pudding-Manufaktur aus wirtschaftlichen Gründen aufgeben mußte.

“Kein Urlaub in Italien” ist sicher nicht jedermanns Geschmack, aber das war noch nie ein Nachteil. Für mich ein Sahnestückchen !

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Annie Hawes : Die Oliven von San Pietro

Britains do it better – zu diesem Schluss komme ich, je mehr Italienbücher ich lese. Was mir schon bei Tim Parks aufgefallen ist, bestätigt sich bei Annie Hawes : Briten sehen die Dinge irgendwie unverfälschter, sie begegnen dem Land ohne den schwülstigen Pathos, der uns Deutschen anscheinend in die Wiege gelegt ist. Sie nähern sich Italien und seinen Bewohnern trotz aller ausländischer Tölpelhaftigkeit mit einem scharfen Blick für das Wesentliche und sie übersehen dabei nicht die Schwachstellen – nicht die eigenen und nicht die der Italiener. Dass die Handlung in Ligurien angesiedelt ist, spielt keine wesentliche Rolle – in jeder anderen ländlichen Region des Stiefels würde sie nicht viel anders ablaufen. 

Chaotische kommunale Verwaltungen, Tradition als Alibi für sture Politik und hundertjährige familiäre Rollenverteilungen, Scheuklappen-Therapie zur Nichtlösung sozialer Probleme, wie dem der heroinsüchtigen “drogati” und Misstrauen gegenüber den “Stranieri” bis hin zu faschistischer Engstirnigkeit gehören zur anderen Seite Italiens, die der sonnensüchtige Massentourist kaum bemerken wird, mit der sich der ganz oder saisonweise dort lebende Ausländer aber zwangsläufig auseinandersetzen muss. Aber keine Angst – “Die Oliven von San Pietro” sind ein heiteres Buch, das getragen wird von einem herrlichen britischen Humor voller Selbstironie, der bei Annie Hawes derart unbeschwert, beinahe kindlich naiv aus der Feder fließt, daß man schier mitgerissen wird in ihrer ehrlichen Begeisterung für dieses Land.

Erzählt wird die Geschichte zweier Schwestern, die in Ligurien jobbend dort hängen bleiben und aus einem heruntergekommenen Olivenhain im steilen Hinterland von Dinao Marina ihr persönliches, kleines Paradies machen, wobei die Betonung auf “klein” liegt. Auch nach Jahren des Umbaus wird daraus nicht ein edler Landsitz, sondern es bleibt stets der bescheidene “rustico”, wie es sich für das kleinbäuerliche Bergnest San Pietro gehört. Der Leser begleitet die beiden Schwestern auf ihren “motorini” die Haarnadelkurven hinunter ins Tal, in die Bar, wo sie mehr als misstrauisch beäugt werden, zu den Nachbarn, die sie in die elementarsten Regeln der cucina einführen und immer wieder in den Olivenhain, der unter Beteiligung teils hilfreicher und teils besserwisserischer Dorfbewohner und viel mühsamer, schweißtreibender Handarbeit zu einem bewohnbaren Idyll wird.

Mal ein Waldbrand, mal der unerwartete Besuch eines Wildschweins … viel mehr an “Action” passiert nicht auf den über 400 Seiten, und das ist gut so ! Das Buch lebt von der feinen Beobachtungsgabe der Autorin, die ihr es ermöglicht hinter der scheinbaren Undurchdringlichkeit der ligurischen Gestrüppe und Gedanken den wertvollen Kern von Natur und Mensch zu entdecken. Ein Buch, aus dem der Duft von Rosmarinstängeln und die Abgase klappriger Ape 50 strömen. Mit viel Herzblut und ohne rosarote Brille verfasst und ganz auf das Wesentliche beschränkt. Für alle, die im Urlaub auf Pool und Sat-TV verzichten können.

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