- SÜDTOSKANA, Montalcino, Montepulciano – Hallwag, 14.90 Euro
Die Leute des Verlags im Zeichen der Schnecke sehen sich als Protagonisten des Behäbigen, was ihr Wappentier so glänzend verkörpert. Mit ihren Büchern zu den Themen Wein und Kulinaria versuchen sie, wie sie selbst sagen, der überall um sich greifenden Standardisierung entgegenzuwirken und kulinarische Traditionen wieder zu beleben.
Beim Individualurlauber zwischen Brenner und Stiefelspitze, insbesondere den Barolosüfflern im Piemont und den Rosmarinschnüfflern in der Toskana rennen sie mit dieser Idee offene Türen ein – pardon, gerade rennen sollen wir ja nicht bei der -Entdeckung der Langsamkeit- und das ist keinesfalls ironisch gemeint – der Mut zur Behäbigkeit ist überhaupt erst der Schlüssel, Urlaubsregionen wie die Toskana mit all ihren landschaftlichen Schönheiten, Weinkellern und Küchendüften in sich aufzusaugen – und die behäbige Schnecke mit den neugierig aufgerichteten Fühlern ist das fast knuffige Symbol für diesen Gedanken ( zumindest solange, bis sie überzeugte Slowfoodisten mit Kräuterbutter und frischem Weißbrot ganz langsam auf der Zunge zergehen lassen ).Eine neue Reihe des Slow Food Verlags nennt sich “Unterwegs zu Wein und Kultur” und beschäftigt sich in oben genanntem Sinne mit verschiedenen Weinregionen Italiens. Dass aus der Toskana gerade der Süden ausgesucht wurde, bestätigt den vorgegebenen Weg abseits der einschlägigen Pfade.
Die Buchläden reihen diese Paperbacks meist in den Regalen mit den Weinbüchern ein, doch dort sind sie eigentlich fehl am Platze. Obwohl Wein natürlich Gegenstand des Inhalts ist – im vorliegenden Band sind dies naturgemäß der Brunello, der Vino Nobile und die ihnen untergeordneten Rossi beider Städte nehmen die Ausführungen dazu keinesfalls den meisten Platz ein.
Insgesamt hat der Leser vielmehr einen kompletten Reiseführer durch ein relativ kleines Gebiet in der Hand. Das Buch ist somit eine gute Ergänzung zu den einschlägigen Werken, da auch kleinere Orte erwähnt werden, die in großen Führern gelegentlich unter den Tisch fallen. In drei Abschnitten werden größere Auto-Touren und Ausflüge zu Fuß vorgeschlagen, die kreuz und quer in die Hügellandschaft um die beiden im Titel genannten Weinstädte, in das zauberhafte Val d’Orcia, nach Pienza und rund um den Monte Amiata führen.
Ein 30seitiger Anhang “Für Sie ausgewählt” enthält übersichtlich dargestellt Hotels, Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten mit Adressen, Rufnummern, Öffnungszeiten und löblicherweise auch Angaben zum Preisniveau der Lokale und Unterkünfte.
Im Hauptteil findet man neben den reinen Tourenbeschreibungen auch kleine Essays mit Hintergrundwissen zu den Weinen, Trüffeln, Travertin etc. Die gute Papierqualität und viele Farbbilder rechtfertigen den Verkaufspreis allemal.
Die Zutaten für dieses Buch sind somit vorbereitet, aber was daraus gemacht wurde, stellt den wahren Genießer leider nicht ganz zufrieden. Der Layouter hatte nicht den besten Tag, als er diesen Band zusammenstellte. Alles wirkt ein bißchen uneinheitlich und wenig harmonisch. Die verkehrsschilderartigen Symbole sind aufdringlich und passen so gar nicht in ein Genießerbuch und die Anordnung von Fotos, Texten und Hintergrundfarben erscheint unruhig und hektisch (das Auge liest mit läge einem an dieser Stelle auf der Zunge, aber das klingt nun wirklich zu paradox ).
Mag das optische Erscheinungsbild noch Geschmackssache sein, wird es dort ärgerlich, wo der normale Reisetext durch dazwischen geschobene Tourenvorschläge jäh unterbrochen wird, wobei diese ihrerseits erneut durch andere Einschübe auseinandergerissen werden. Ein ums andere Mal sieht man sich deshalb gezwungen, durch hektisches Vor- und Zurückblättern festzustellen, wo es denn nun eigentlich weitergeht.
Ein echter Lese-Gourmet hätte bei der abendlichen Lektüre gerne eine Hand für das Glas Rotwein frei, was ihm bei diesem Band über weite Passagen verwehrt bleibt. Slow Food sollte seinen Anspruch Traditionen neu zu beleben, ruhig ein wenig auf das Layout seiner neuen Bücher anwenden.
Ich habe mir eine 10 Jahre alte Paperback-Ausgabe von Meuth-Duttenhofers erstem Toskanaband daneben gelegt und gebe diesem schlicht gehaltenen Klassiker 3 Schnecken, während es bei Hallwags Südtoskana-Band bei der einen bleibt, die ohnehin aufgedruckt ist.