Archiv für April, 2008

Brisighella und Marradi

Was soll es, die Sonne lacht, Fotowetter, es ist Markttag in Brisighella, ich habe bis zum Nachmittag Zeit I borghi più belli d’Italia zu erkunden.

Brisighella

In der Tourismuszentrale des Ortes lasse ich mir nach meinem Rundgang von zwei sehr hilfsbereiten Damen stapelweise Prospekte von der Terre di Faenza und einigen Agritourismen in die Hand drücken. Ich bin mir sicher, dass ich mit meiner Familie wiederkommen werde. Vor der Fahrt nach Marradi (also kurz zurück in die Toskana) zapfe ich mir noch ein Becher Milch aus dem am Straßenrand stehenden Milchautomaten!

Eine Strada del Marrone del Mugello di Marradi haben sich die Tourismusexperten hier als Attraktion der Gegend einfallen lassen. Wie auch das Casentino oder die Garfagnana hat die Landschaft ihren eigenen Reiz, man kann sogar mehrmals am Tag mit dem Zug für vier Euro vierzig in die Provinzhauptstadt Florenz fahren. Wer aber nicht wandern oder radeln will, sollte andere Urlaubsorte in der Toskana wählen. Wein wächst hier an Nordhängen der Appenninen auch nicht, der Anbau beginnt erst Talabwärts des Lamone in Brisighella.

Landschaft bei Marradi

Eine Ergänzung in Sachen Wein. MERUM schrieb vor einem Jahr: “Mit dem Namen Sangiovese di Romagna verbinde ich fruchtige, trinkige Weine, die fröhlich machen. Aber fröhlich wurde ich bei der Verkostung der rund 60 Weine nicht. Das Fazit vorweg: Drei der verkosteten Weine würde ich trinken, sieben erhalten ein „Ja, aber“, 38 schmecken mir nicht, weil sie nicht frisch, nicht ganz sauber oder von neuem Holz geschädigt sind, neun Weine waren gar deutlich fehlerhaft. Ich habe mir ganz eindeutig zuviel versprochen von dieser Verkostung. ” Mehr…

Aber, wie gesagt: Ravenna, Ferrara und  Bologna sind Pflichtprogramme für Italienreisende. (Faenza, Imola, Rimini und Comacchio sind sicherlich auch noch einen Abstecher wert…) Und abends sollte man sich in die sanften Hügel der Appenninen zurückziehen. Vielleicht nächstes Jahr.

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Ferrara und Bologna

Nieselregen begleitet mich auf meiner Fahrt durch das platte Land nach Ferrara, angeblich verpartnert mit der Stadt Gießen, deren Kennzeichen mein Auto derzeit trägt. Das übliche Ortseingangsschild Ferraras weist jedoch nur auf ihr Weltkulturerbe und auf die Mitgliedschaft im europäischen Netzwerk der Fahrradstädte “Cities for Cyclists” hin, was für eine Missachtung ;-)

Diesmal schlage ich den Parkplatzeinweisern ein Schnäppchen und mache der Renaissance-Altstadt meine Aufwartung. Was für ein schöner Anblick, was für eine angenehme Ruhe zwischen den Häusern ohne Zweitakter. Zielgenau steuere ich auf die gotische Kathedrale und auf das Castello Estense zu, lasse meine Kamera auslösen, bis sich die Technik mit den Worten “Speicherkarte ist nicht erlaubt” verabschiedet. Sind jetzt alle meine Bilder weg? Ratlos starre ich auf das Display, mein Adrenalin verabschiedet sich aus meinem Körper, ich bin nur noch niedergeschlagen und spüre jeden übersäuerten Muskel, meine Füße wollen mich nicht mehr tragen.

 Savonarola

Lustlos lege ich meine kleine Ersatzspeicherkarte ein, fotografiere noch den Palazzo dei Diamanti sowie die Statue des in Florenz gescheiterten und hier geborenen Bußpredigers Savonarola und trotte zurück zum Auto.

In Bologna parke ich auf dem Gelände eines Krankenhauses, vergesse kurz mein Unglück bei Ablichten der Sehenswürdigkeiten in der roten Stadt, schlendere zwei Stunden unter Arkaden und auf Plätzen zwischen Geschlechtertürmen und Marktständen, die frisches Obst, Gemüse oder Fisch offerieren. Bologna ist auch eine Reise wert!

Bologna Piazza Maggiore

Abends gönne ich mir im Hotel Pasta, Perlhuhn auf einem Gemüsebett, Käse und eine Flasche Weißwein bevor ich meine letzte Nacht im Urlaub durchschlafe.

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Durch das Mugello nach Brisighella und Ravenna

Bin ich eigentlich in der Toskana? Ich fahre eine Autobahnetappe von Florenz in nördlicher Richtung bis Barberino, registriere ein Outlet Center mit den üblichen Geschäften (Adidas, Benetton, Rifle etc.) direkt an der Ausfahrt um dann nicht mehr aus dem Staunen herauszukommen, als ich einen großen stillen See im Morgenlicht glänzen sehe. Ich lese auf Schildern: Bilancino Lago di Toscana. Ein Abgleich mit meiner Straßenkarte hilft mir nicht weiter, ein See ist hier nicht eingezeichnet nur der Fiume Sieve soll hier fließen. Dann erkenne ich am Ende des Sees eine große Staumauer, des Rätsels Lösung. Seit 1999 ist hier eine kleine Oase der Natur entstanden, sogar Windsurfing und  Kanu fahren ist auf dem 5m² großen See möglich. Vielleicht sollte ich mir mal eine neue Karte anschaffen oder einen aktuellen Reiseführer :-) . Auf den ersten Blick ist hier eine interessante Urlaubsalternative in der Toskana entstanden.

Lago Toscana

Borgo San Lorenzo ist ein Hauptort des Mugellos, ich gönne mir eine kleine Visite des Ortes bevor ich die SS 302 nach Norden weiterfahre. Das Autodromo Internazionale del Mugello liegt in der Nähe und ist am kommenden Sonntag Ort eines DTM-Rennens. Ansonsten testet Ferrari hier seine Boliden.

In Serpentinen geht es auf 913 Meter zum Colla di Casaglia, wo ich nur oder erst 42 Kilometer von Florenz entfernt bin. Zwei ältere eher untersetzte Radfahrer haben den Pass erklommen, auf Nachfrage erzählen sie mir, dass sie auch noch den Passo Sambuca auf 1.061 Meter hochfahren wollen. Unglaublich, wenn ich es nicht mit meinen eigenen Augen gesehen hätte.

Abwärts über Marradi fahre ich nach Brisighella, wo ich im Hotel “La Rocca” als “un amici di Helmut” herzlich empfangen werde. Ich bringe mein Gepäck auf mein Zimmer.

Am Nachmittag fahre ich nach Ravenna, lasse mir von Schwarzafrikanern einen Parkplatz zuweisen, schnappe meine Kamera und mache mich auf die Jagd nach interessanten Motiven. Auf den ersten Blick kommt mir die Stadt wie die Vorlage für die zahlreichen  Outlet Villages vor, berühmt und Weltkulturerbe ist sie aber durch die Mosaiken aus dem 5. und 6. Jahrhundert. Insbesondere in der Kirche San Vitale sollen die Kunstwerke wunderschön sein, ich lasse aber den zahlreichen Schulklassen den Vortritt und bewahre mir den Anblick für spätere Jahre gemeinsam mit Ellen auf. Auch ohne Innenansichten bin ich von der Stadt begeistert. Noch eine positive Überraschung an diesem Tag.

Ravenna

Gefallen finde ich auch an dem Abendessen in der Trattoria La Casetta zurück in Brisighella. Nach kleinen Nudeln mit Speck und Ruccola, gegrilltem Steak (obwohl es leider “well done” war, schmackhaft) mit Salat gönne ich mit als Nachspeise eine Creme Bavarese mit Orangen. Der Sangiovese war jedoch mäßig.

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Die Stadt und ihre Fiorentina

Morgens um 9:00 Uhr bin ich nach einem kräftigen Hotelfrühstück auf dem Piazzale Michelangelo und blicke auf Florenz. Ja, das ist hier einer schönsten Plätze in der Toskana! Ich schwenke das Objektiv über die Dächer und lichte die weltberühmten Sehenswürdigkeiten der Stadt ab, auf die ich aber heute nicht mein Hauptaugenmerk richten werden. Wenn ich schon einmal alleine in der Hauptstadt der Toskana bin, kann ich mich einmal intensiver mit dem italienischen Fußball auseinander setzen und den aktuellen Tabellenvierten der Serie A und UEFA Cup Halbfinalisten ACF Fiorentina im Stadio Artemio Franchi gegen Sampdoria Genua unterstützen.

Skyline von Florenz am Morgen

Ich kaufe mir zunächst einmal im Fan Shop am Stadion eine neue Schirmmütze der Fiorentina, die mein in den letzten vierzehn Jahren getragenes und völlig ausgeblichenes Käppi der Italienischen Nationalmannschaft künftig auf meinen Reisen ersetzen wird. Anschließend stelle ich mich in der Bigliettiera, die sich praktischerweise in einer Bar befindet, in die Schlange derer, die noch eine Karte haben wollen. Neben zehn Euro für den Sitzplatz! in der Curva Ferrovie zücke ich auch meinen Ausweis aus dem Portemonnaie, denn ohne negativen Abgleich mit einer Hooligandatenbank bekommt man in keinem Stadion in Italien eine Eintrittskarte, die dann persönlich auf mich ausgestellt ist. Mal sehen, wann ich die ersten Werbebriefe bekomme :-) .

Ich verlasse zunächst einmal das Stadionumfeld, spaziere Graffitis fotografierend Richtung Innenstadt bis zur grandiosen Piazza Santa Croce, die ich in den letzten Jahren unabsichtlich abseits liegen gelassen habe. Heute ist hier Leistungsschau der italienischen Landwirtschaft, Spezialitäten aus allen Regionen werden zu günstigen Preisen angeboten, ich entscheide mich für den zuletzt gescholtenen Büffelmozzarella aus Kampanien mit Tomate im Brötchen und ein kühles Bier. Schnabulierend blicke ich auf die schöne noch im Schatten liegende Fassade der Kirche Santa Croce, lausche osteuropäischer Straßenmusik und beobachte afrikanische Straßenhändler und asiatischen Straßenhändlerinnen beim Anbieten ihrer Waren. Dann kommen bunte britische Minis mit italienischen Nummernschildern im Konvoi angefahren und reihen sich hupend zum Fotoshooting auf. Es wird langsam Zeit für mich zum Stadion zurückzukehren.

Das Stadion von den Hügeln Fiesole aufgenommen

Mit weiteren 36.500 Zuschauern verfolge ich in der ersten Halbzeit gemächlichen Sommerfußball, die Tifiosi der Genueser sind in ihrem Glaskäfig lautstärker als die Anhänger der Viola, die um mich herum die erfolglosen Szenen der Mannschaft entsprechend kommentieren. Erst in der zweiten Halbzeit kommen die Gesänge “Forza Viola e, Viola e, Viola e, Viola e” zur vollen Entfaltung: Zunächst geht zwar der Gegner in Führung dann dreht die Fiorentina durch Tore von Vieri und Mutu das Spiel um dann in letzter Minute noch den unnötigen Ausgleich zu kassieren… Also, keine anschließende Siegesfeier.

Ich fahre daher noch auf die Hügel von Fiesole, dann zurück ins Tal des Arnos um danach den Tag auf der Piazzale Michelangelo ausklingen zu lassen.

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Chianti Rufina, Florenz und Prato

Wer fliegt mit mir morgens um 6:40 Uhr von Hahn im Hunsrück nach Forli’ in der Emilia-Romagna? Die 737-800 von Ryanair ist mit Jungen und Alten, Deutschen und Italienern (und sicherlich noch weiteren Nationalitäten) gut ausgelastet, der Reisepreis beträgt für mich übrigens nur 22 Euro, was etwa die Hälfte der Parkplatzgebühren am Flughafen ausmacht. Auch die Hotels in Florenz und Brisighella (RA) sowie einen Mietwagen habe ich über das Internet günstig buchen können. Gut, wenn ich einmal außerhalb der Ferienzeit reisen kann! Meine Familie wäre in den nächsten Tagen sowieso nur von mir genervt, da ich alle fünf Meter meine neue digitale Spiegelreflexkamera an das Auge pressen werde und den ganzen Tag kreuz und quer durch die Gegend fahren und laufen werde.

Genug der Vorrede: Ich nehme in Forli’ den Schlüssel für einen Golf entgegen, verstaue meinen Koffer und folge auf der “Tosco Romagnolo” (SS 67) den blauen Hinweisschildern nach Florenz. 

Auf der Tosco Romagnolo

Um 10:00 Uhr erreiche ich mit einigen Motorradfahrern und ”Bergziegen” auf ihren Rennrädern den Passo del Muraglione auf 907 Höhenmetern, trinke einen Kaffee in der mit Fotos aus jüngster Renngeschichte geschmückten Bar, die auf bessere Zeiten schließen lassen. Hier auf dem Pass, welcher früher die Grenze zwischen der Toskana und der Emilia-Romagna bildete, weht ein kräftiger kühler Wind, der die Temperatur trotz strahlendem Sonnenschein nur auf 13° C steigen lässt.

Den Serpentinen abwärts dem Torrente Comano folgend erreiche ich Dicomano, wo der Bach in den Sieve mündet, an dessen Ufern sich das Chianti Rufina erhebt. Es ist Markttag im Ort, so dass ich mich mit einem leckeren und schon fast obligatorischen Panino mit Pancetta stärken kann, bevor ich über Rufina, dem Weingut Selvapiana und Pontassieve mein Hotel in Florenz erreiche.

Noch einmal kurz zurück zu Selvapiana: MERUM schrieb Anfang des Jahres “… über Selvapiana hängen schwarze Wolken… An der Hauptstraße unterhalb steht eine kleine Müllverbrennungsanlage mit einer Leistung von 9.000 Tonnen pro Jahr; Florenz will diese durch eine leistungsfähigere Konstruktion mit 68.000 Tonnen ersetzen.”

Müllverbrennungsanlage unterhalb von Selvapiana

Das “IBIS Firenze Nord Aeroporto” entspricht dem Standard der Hotelkette; da ich seit 03.00 Uhr auf den Beinen bin, gönne ich mir erst einmal eine Dusche und sehe auf SKY Sport, dass Michael Ballack souverän einen Elfmeter für Chelsea verwandelt, bevor ich meine Sightseeingtour nach Prato fortsetze.

Die zwanzig Kilometer nordwestlich von Florenz liegende und etwa 180.000 Einwohner zählende Stadt wird von mir nach 20 Jahren Reisen in die Toskana erstmalig betreten. Das Sehenswerte liegt “entro le mura” und angenehm auf autofreien Wegen zu erkunden: der aus weißem Alberese-Marmor und grünem Serpentino-Marmor gebaute Dom von Prato mit seiner außen liegenden Kanzel, der Piazza San Francesco (heute mit Trödelmarkt) mit gleichnamiger Kirche oder das Castello dell’ Imeratore werden von mir fotografiert.

Mein “Touristen-Index” TI für die Stadt ist niedrig. Die Anzahl der gastronomischen Einrichtungen im Verhältnis zu den übrigen Geschäften ist so gering, dass ich mein Abendessen nach Florenz in das Restaurant Trattoria del Carmine verlege. Ich gönne mir Pappardelle mit Wildschwein und ein Steak mit Salat, was jedes Stück Fleisch in einem argentinischen Steakhaus in Deutschland aussticht. Bei Kaffee und Panna Cotta erfahre ich vom Kellner, wo ich morgen meine Eintrittskarte für das Fußballspiel der Fiorentina kaufen kann.

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